Luftverkehrsmarkt wird langfristigen Wachstumskurs fortsetzen
Bedeutung des asiatisch-pazifischen Raums nimmt weiter zu
Nach Krisen knüpfte der Luftverkehrsmarkt stets an frühere Wachstumsraten an. Auch künftig wird daher von einem Wachstum des Luftverkehrsmarktes ausgegangen, das über dem Weltwirtschaftswachstum liegt. Die Wachstumsdynamik im asiatisch-pazifischen Raum lässt dabei unter anderem die Nachfrage nach großen Flugzeugtypen steigen.
Die Entwicklung des Luftverkehrsmarktes steht in positiver Korrelation mit dem Weltwirtschaftswachstum. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat somit auch den Luftverkehrsmarkt beeinflusst. Der Internationalen Flug-Transport-Vereinigung IATA zufolge war 2009 das Jahr mit dem stärksten Nachfragerückgang seit Ende des Zweiten Weltkrieges: Das Passagieraufkommen sank um 3,5 Prozent, das Luftfrachtaufkommen reduzierte sich um rund zehn Prozent. Neben den allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklungen haben in der Vergangenheit immer wieder internationale Krisen den Luftverkehrsmarkt beeinflusst – wie etwa die Ölkrisen, die Golfkrise oder die Anschläge vom 11. September 2001. Aber es hat sich gezeigt, dass einzelne Krisen den langfristigen Wachstumstrend des Flugverkehrsmarktes nicht dauerhaft bremsen konnten. Bereits im Jahr 2004 stieg die Nachfrage wieder um 14 Prozent und in den Folgejahren um jeweils sechs bis sieben Prozent. Im Schnitt nahm der weltweite Flugverkehr in den vergangenen 20 Jahren um rund 4,8 Prozent pro Jahr zu.
Entwicklung des Luftverkehrsmarktes
Experten erwarten Erholung und langfristiges Wachstum
Bisher hat sich der Luftverkehrsmarkt stets schnell von internationalen Krisen erholt. Der Luftfahrtverband IATA erwartet, dass der Passagierverkehr auch die Folgen der aktuellen Finanzkrise und die Einschränkungen durch den Vulkanausbruch auf Island überwindet. Die durchschnittliche Auslastung der globalen Passagierflotte blieb 2009 aufgrund der von den Fluggesellschaften eingeleiteten Effizienzprogramme mit rund 76 Prozent nahezu konstant. Im Rahmen dieser Programme haben viele Fluggesellschaften unwirtschaftliche Strecken sowie inneffiziente Flugzeuge ausgemustert und konnten somit auf der Kostenseite Einsparungen erzielen. Seit Dezember 2009 ist eine Trendwende bei der Nachfrage nach Passagier- und Transportflügen erkennbar. Dies führte dazu, dass die IATA im März 2010 die für die Jahre 2009 und 2010 prognostizierten Verluste der Fluggesellschaften reduzierte.
Für 2010 prognostiziert der Internationale Währungsfonds (IWF), dass die globale Wirtschaftsleistung um 4,2 Prozent steigt und für die folgenden Jahre werden mit bis zu 4,6 Prozent wieder frühere Zuwachsraten erwartet. Das Welthandelsvolumen wird nach Einschätzung der Experten nach einem Rückgang von zehn Prozent im vergangenen Jahr bereits um sieben Prozent im laufenden Jahr zulegen. Aufgrund der Korrelation zwischen dem Wirtschaftswachstum und dem Wachstum des Luftverkehrsmarktes ist davon auszugehen, dass sich das Wachstum der Luftverkehrsbranche mit einer nachhaltigen Zunahme der wirtschaftlichen Aktivitäten weiter fortsetzen wird - auch wenn aufgrund der Intensität der Finanzkrise und des Vulkansaubruchs auf Island eine moderatere Dynamik als nach vergangenen Krisen zu erwarten ist. Langfristig aber prognostizieren Studien der beiden größten Flugzeughersteller Airbus und Boeing für die Jahre 2009 bis 2028 im weltweiten Passagier- und Frachtverkehr erneut Wachstumsraten von durchschnittlich rund fünf Prozent pro Jahr.
Asien-Pazifik trägt die Dynamik des weltweiten Flugverkehrs
Der asiatisch-pazifische Raum verfügt mit China und Indien – sowohl während als auch nach der Wirtschafts- und Finanzkrise – über die wirtschaftlich am stärksten wachsenden Regionen der Welt. Dieser wirtschaftliche Aufschwung setzt sich fort, weshalb zu erwarten ist, dass Warentransporte und Geschäftsreisen in den kommenden Jahren weiter zunehmen werden. Mit steigendem Wohlstand wird es darüber hinaus vor allem der sich stetig vergrößernden Mittelschicht möglich sein, mit dem Flugzeug zu reisen. Nach einer Prognose der Boeing-Marktstudie CMO 2009-2028 sollen in 20 Jahren nahezu 40 Prozent des weltweiten Flugverkehrs innerhalb Asiens sowie zwischen Asien und anderen Regionen stattfinden. Dies wird insbesondere die Flughafeninfrastruktur vor Herausforderungen stellen. Die Expansionspläne der Flughäfen in Beijing, Mumbai und Shanghai liegen bereits hinter dem für das Jahr 2015 erwarteten Verkehrsaufkommen zurück. Aus diesem Grund ist insbesondere in Asien von einer Zunahme der Nachfrage nach größeren Flugzeugen auszugehen, um trotz des begrenzten Angebots an Start- und Landerechten mehr Passagiere befördern zu können. Schon heute werden in Japan vereinzelt Großraumflugzeuge wie etwa die Boeing B747 auf Kurzstrecken eingesetzt, um der steigenden Nachfrage zu begegnen.
Flugzeugproduktion hinkt dem Bedarf weiter hinterher
Aufgrund der prognostizierten Wachstumsraten von rund fünf Prozent p.a. im Luftverkehrsmarkt sind die Auftragsbücher der beiden größten Flugzeughersteller Airbus und Boeing für die kommenden Jahre schon jetzt gut gefüllt. Von den Passagierflugzeugen, die derzeit im Einsatz sind, sollen bis 2028 jedoch rund 53 Prozent aufgrund veralteter Technik verschrottet werden. Deshalb ist abzusehen, dass es auch in Zukunft zu Auslieferungsengpässen und damit zu einer limitierten Verfügbarkeit von neuen Flugzeugen kommen wird, so dass Fluggesellschaften weiterhin auf gebrauchte Maschinen zurückgreifen werden müssen.